„Die Begeisterung für die Fotografie“

Angela0138812

Guido Schiefer / guidoschiefer.de

Woher kommt deine Begeisterung für Fotografie?

Ich habe erst relativ spät angefangen ernsthaft zu fotografieren. Auslöser war nach dem Abitur eine Reise nach Paris. Ich hatte eine alte Minolta dabei und sechs Schwarzweiß-Filme, weil meine damalige Freundin mir zeigen wollte, wie man Fotos selbst vergrößert. Ich habe keine Ahnung warum, aber in Paris fing ich völlig intuitiv sofort an fotografisch zu experimentieren, mit Langzeitbelichtung und bewussten Verwackelungen. Zurück in Deutschland entwickelten wir die Ergebnisse und der Prozess in der Dunkelkammer erschien mir absolut magisch. Danach war es um mich geschehen: die Fotografie hatte mich total in ihren Bann gezogen. Ich meldete mich für Fotokurse an und beschäftigte mich intensiv mit den Arbeiten aktueller Fotokünstler, wie z.B. Ralph Gibson. Ein paar meiner Fotos von damals, finde ich überraschender Weise auch heute noch richtig gut. Ich bewarb mich dann um einen Studienplatz für Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Fotografie und bestand dann auch die Aufnahmeprüfung. Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung.

Wenn du ein Bild machst, hast du es schon genau im Kopf?

Das kommt ein bisschen auf das Sujets und die Situation an. Grundsätzlich habe ich aber schon eine ziemlich genaue Vorstellung wie das Ergebnis aussehen soll, bevor ich auf den  Auslöser drücke und die versuche ich ja dann auch durch die Bildkomposition, die Wahl der Brennweite und gegebenenfalls durch die Lichtsetzung umzusetzen. Ich bin dann sehr enttäuscht, wenn das Ergebnis nicht so aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe. :-) Wenn es um experimentelle Sujets geht, werde ich dann manchmal auch von den Ergebnissen positiv überrascht. Was gefällt dir am meisten? Ist es die Aufnahme an sich mit all dem Experimentieren? Oder eher die Nachbearbeitung? Eigentlich gehört ja beides zusammen. Ich arbeite ausschließlich im RAW-Format. Das muss man sich vorstellen wie ein digitales Negativ, das alle vorhandenen Informationen enthält, aber ohne die konsequente Ausarbeitung völlig unperfekt aussieht. Das eigentliche Bild entsteht erst mit der Bearbeitung. Die Nach- bearbeitung ist daher für mich durchaus auch spannend. Wenn es aber um große Jobs für Kunden geht, bei denen man sich durch 2000 oder 3000 Fotos kämpfen muss, kann die Bearbeitung auch schon mal sehr quälend sein. Da ziehe ich dann doch das Fotografieren vor, trotz des Stresses bei so manchem Shooting. :-)

An welchen Themen arbeitest Du fotografisch und warum?

Da muss man erst einmal unterscheiden zwischen der kommerziellen Fotografie für meine Kunden, also Zeitschriften und Unternehmen und meinen eigenen Projekten. Bei der kommerziellen Fotografie, habe ich immer wieder die Richtung gewechselt. Schon während des Studiums habe ich verstärkt Architekturfotografie für Architekten betrieben und zum Teil so auch mein Studium finanzieren können. Dann kam Reportagefotografie für Zeitschriften dazu und wurde später für eine Zeit zu meinem Schwerpunkt. Das war eine wirklich abenteuerliche Zeit mit vielen Arbeitsreisen wie z.B. nach Afghanistan, Kuba, Brasilien oder Kambodscha. Ich habe es dabei immer sehr genossen Einblicke in die Welt zu bekommen, die nur wenige Menschen erhalten. Sei es, dass ich mehrere Wochen Straßenkinder in Phnom Penh begleitet oder zwei Wochen bei einer Familie in Kabul gewohnt habe. Dabei habe ich Erfahrungen fürs Leben gemacht, die nicht mit Geld bezahlbar sind. Zuletzt arbeite ich immer mehr für große Unternehmen und Agenturen. Schwerpunkt ist dabei die Porträtfotografie mit der Inszenierung von Managern und die visuelle Darstellung von Unternehmen Prozessen für Unternehmensbroschüren oder Geschäftsberichten.

Ja und dann gibt es noch mein freien Projekte, die wirklich völlig unterschiedlich sind: Da gibt es z.B. eine Serie „A Room with a view“, die einfach die Aussicht aus Hotelzimmern zeigt von Hannover bis Cochabamba in Bolivien und auf meinen Job Reisen entstanden ist und die ich als Langzeit Projekt fortführe. Oder eine Serie über Rhein Treibgut, welches ich praktisch sculptural im Fotostudio fotografiere. Zuletzt habe ich eine Portrait-Serie über ehemalige Flüchtlinge angefangen, die sich in Deutschland integriert und zum Teil auch richtig Karriere gemacht haben. Sie wird ab dem 11.2. zusammen mit den Arbeiten von anderen Fotografen zum Thema Flüchtlinge in der Freelens-Galerie in Hamburg zu sehen sein. Bei den freien Themen habe ich immer das Gefühl, dass nicht ich die Themen suche, sondern dass mich die Themen finden.