Indisch inspiriert

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Dia Ellinghaus | Selbstständig

Wenn man seine Ernährung umstellt, kann es einige Zeit dauern bis man seine, “neuen Nahrungsmittel”, für sich entdeckt hat. Dieses Mal möchte ich gerne mehr über vegane Küche erfahren. Diese bietet viele verschiedene vegane Produkte– ein Experiment mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, wie ich finde. Und zudem ist es interessant “neue Marken” zu entdecken. Heute stelle ich euch Dia vor. Eine gebürtige Inderin, die meiner Meinung das Thema “vegan” sehr entspannt und einfach angeht. Ich selbst bin keine Veganerin, aber ich finde es sehr interessant wie Menschen so radikal Ihre Essgewohnheiten ändern und bewundere deren Disziplin.

Dia, warum bist du Veganerin geworden?

Ich habe bereits seit fünfzehn Jahren immer wieder mal vegetarisch gelebt – sowohl aus gesundheitlichen, als auch aus ethischen Gründen. Vor einem Jahr dann habe ich mich dazu entschlossen ein „Detox-Experiment“ zu machen. Das bedeutet komplett vegan & „clean“ zu essen, d.h. ich habe ebenfalls auf Kaffee, schwarzen Tee, Zucker, Weißmehl und natürlich Convenience Produkte verzichtet. Es sollte ein „6-Wochen-Programm“ werden. Schon währenddessen merkte ich, wie gut ich mich fühlte. Ich hatte mehr Energie, war wacher und frischer – man sagte mir sogar mehrfach, ich würde so „strahlen“. Auch meine „Magenprobleme“ wurden immer weniger. Außerdem machte ich von Anfang an zusätzlich täglich 20 Minuten Sport. Als die sechs Wochen vorüber waren, gab es für mich keinen Grund „zurück zu gehen“ – es tat mir gut und vor allem fiel es mir unglaublich leicht vegan zu essen! Mittlerweile ernähre ich mich (zumindest abends) und meine Familie seit einem Jahr vegan. Meinem Mann schmeckt es in 90% der Fälle sehr gut und unser Sohn ist ein „pickyeater“, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Wieso fällt es dir so leicht vegan zu essen?

Alle Freunde und Bekannten stellen mir die gleiche Frage: „Wie machst du das“? Ist es nicht ein wahnsinniger Verzicht? Meine zugegebenermaßen knappe Antwort darauf lautet: “ Nein, denn ich bin Inderin“ ? Dass es mir von Anfang an so leicht gefallen ist, meine Ernährung umzustellen, führe ich auf zwei Dinge zurück: Zum einen auf meine indischen Wurzeln und zum anderen darauf, dass ich seit meinem 8. Lebensjahr wahnsinnig gerne koche! Beides Dinge, die schon bei omnivorer Ernährung kein Nachteil, für Veganer jedoch von unermesslichem Wert sind. Die indische Küche ist unglaublich reich an vegetarisch/veganen Gerichten – nur werden sie dort nicht so „gelabelt“. Auch die Vorstellung, dass indisches Essen aufwändig zu kochen ist, und man ein Riesenarsenal an Gewürzen parat haben muss, ist nur die halbe Wahrheit. Natürlich gibt es sehr zeit- und arbeitsintensive Gerichte. Das sind interessanterweise vor allem die fleischlastigen. Aber neben Job und Family habe ich sicherlich keine Zeit, stundenlang in der Küche zu stehen. Im Alltag muss das Kochen schnell gehen. Und ja, man muss sich erst einmal mit ein paar neuen Kräutern und Gewürzen vertraut machen. Aber das sind weniger als man denkt. Und das Schöne am „indisch Kochen“ ist, dass es immer Raum für Interpretationen und Experimente gibt. Man muss sich nicht pedantisch an Mengen- und Gewürzangaben halten. Im Gegenteil, eine indische Mama antwortet auf diesbezügliche Fragen immer mit „andaaz korenio“ – heißt so viel wie: „das musst du ungefähr abschätzen“!

Auch auf die vielgestellte Frage nach ausreichend Nährstoffen in der veganen Ernährung, hält die indische Hausmannskost eine ausgewogene Antwort parat. Ein traditionelles Abendessen besteht bei uns immer aus Basmatireis, Dhal (eine Art „Linsensoße“) und einem Gemüsecurry. Es sind also immer Kohlenhydrate, Proteine und Fett auf dem Teller. Und wenn man diese drei Basics aus frischen saisonalen Zutaten kocht und viel Variation rein bringt, ausreichend Wasser trinkt und sich mäßig bewegt, dann steht einem vitalen Leben nichts entgegen.

Wie sieht es mit süßen Leckereien bei dir aus? Kuchen ohne Butter, geht das?

Ich bin ein totaler „Foodie“ – nur für den Fall, dass du es nicht gemerkt hast ?, ich liebe es, zu essen und dazu gehören natürlich auch süße Sachen. Aber, und das war etwas womit ich selbst wahrlich nicht gerechnet hätte, der Verzicht auf tierische Lebensmittel fühlte sich für mich von Anfang an nicht wie eine Einschränkung, sondern im Gegenteil wie eine totale Befreiung an! Früher bin ich ständig durch die Gegend gelaufen und habe überlegt, ob ich mir jetzt lieber das Stück Kuchen hier oder den Eisbecher dort einverleibe. Heute kann ich über den Weihnachtsmarkt laufen und bei 95% der Stände denken: „non of my business“!! Und es fühlt sich wirklich gut an! Ganz nebenbei bemerkt, spart man sich dadurch eine Menge unnötiger Kalorien… da bedankt sich auch die Hüfte. Aber um deine Frage zu beantworten: es ist überhaupt kein Problem auch mal etwas Süßes zu essen. Es gibt vegane Schokolade, Gummibärchen, Kekse, Eis und Kuchen fertig zu kaufen. Oder man macht es selber, dann weiß man ganz genau was drin ist. Denn nur weil etwas vegan ist, ist es nicht automatisch gesund. Convenience ist Convenience… Beim Backen kann man Milch z.B. durch Soja-, Hafer- oder Mandelmilch ersetzten. Sahne genauso. Anstatt Butter nimmt man vegane Butter und Eier kann man je nach Rezept ganz weglassen oder durch Natron und Sprudel (zum Lockern) oder durch Sojamehl (zum Binden) ersetzen. Im Internet findet man viele Foren und Blogs rund ums vegane Backen. Bei „meinem“ Zitronenkuchen merken es die meisten gar nicht, dass er vegan ist! Du hattest doch letztens auch den Marmorkuchen bei mir gegessen und erst hinterher gefragt, ob er vegan war ?

Nenn mir mal eines deiner Standardgerichte?

Zum Frühstück esse ich entweder Avocado-Toast mit Cherry Tomaten oder Kala Namak (das ist ein schwefelhaltiges Salz und gibt Gerichten ein „eigenes“ Aroma) oder Nuss-Nougat-Creme-Toast (veganes „Nutella“ von Rewe-Bio). Eines meiner absoluten Lieblingsgerichte zum Abendessen ist Zucchinicurry und Dhal von roten Linsen an Basmatireis. Das ist schnell gekocht, leicht bekömmlich und schmeckt fantastisch. Zum Nachtisch stehe ich zur Zeit total auf den Coconutyoghurt von Harvest Moon mit frischem Obst – yumm!! Wer sich vegan ernährt kann genauso schlemmen wie ein Omnivor. Nur mit dem Unterschied, dass man anderen Lebewesen kein Leid zufügt, den Cholesterinspiegel im Griff hat, die Arterien frei bleiben und man einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt.